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JG wieder offen:

Dienstag ab 19 Uhr Offener Abend
und ab 19.45: JG-Inforunde

Mi-Fr 11-20 Uhr
Offenes JG-Café
und von 11-15 Uhr
JG-Frühstückscafé

 

 

 

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internationaler Holocaustgedenktag E-mail

Bis auf das Stöhnen herrschte ringsum tiefe Stille. 

Darußen riefen die SS-Männer Befehle. Dann schritt ein Offizier die Betten ab.

Mein Vater flehte: "Mein Sohn, Wasser... Ich verbrenne... Mein Bauch..."

"Ruhe, dort!"  brüllte ein Offizier.

"Elieser", rief mein Vater in einem fort, "Wasser"

Der Offizier trat heran und schrie, er solle den Mund halten. Aber mein Vater hörte ihn nicht und rief in einem fort. Der Offizier schlug ihn mit seinem Knüppel auf den Kopf.

Ich rührte mich nicht. Ich fürchtete, mein Körper fürchtete, auch einen Schlag zu bekommen. Nun röchelte mein Vater, und ich hörte meinen Namen:

"Elieser"

Ich sah ihn noch stoßweise atmen und rührte mich nicht.

Als ich nach dem Appell von meiner Pritsche stieg, konnte ich noch seine zitternden Lippen murmeln sehen. Über ihn gebeugt, betrachtete ich ihn ein gute Stunde lang, um sein blutüberströmtes Gesicht, seinen zerschmetterten Schädel im Gedächtnis zu bewahren.

Dann war Nachtruhe, und ich kletterte auf meine Pritsche über meinen Vater, der noch immer lebte. Es war der 28. Januar 1945.

Am 29. Januar erwachte ich im Morgengrauen. An Stelle meines Vaters lag ein anderer Kranker auf der Pritsche unter mir. Vermutlich hatte man ihn vor Tagesanbruch in die Gaskammer gebracht.

Vielleicht atmete er noch...

 

Elie Wiesel 

 
Selig E-mail
Selig der Mensch,
der den Parolen der Partei nicht folgt
und an ihren Versammlungen nicht teilnimmt,
der nicht mit Gangstern an einem Tisch sitzt
noch mit Generälen im Kriegsgericht.

Selig der Mensch,
der seinem Bruder nicht nachspioniert
und seinen Schulkameraden nicht denunziert.

Selig der Mensch,
der nicht liest, was die Börse berichtet
und nicht zuhört, was der Werbefunk sagt,
der ihren Schlagworten mißtraut.
Er wird sein ein Baum
gepflanzt an einer Quelle.

Ernesto Cardenal,nach Psalm 1
 
Als die E-mail
Als die Nazis die Kommunisten
holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten
einsperrten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Katholiken holten,
habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Katholik.
Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.

Martin Niemöller,
ehem. Kirchenpräsident

 
Steht noch dahin E-mail

Ob wir davonkommen,

ohne gefoltert zu werden,

ob wir eines natürlichen Todes sterben,

ob wir nicht wieder hungern,

die Abfalleimer nach Kartoffelschalen durchsuchen,

ob wir getrieben werden in Rudeln,

wir haben’s gesehen.

 

Ob wir nicht noch die Zellenklopfsprache lernen,

den nächsten belauern,

vom Nächsten belauert werden

und beim Wort Freiheit weinen müssen.

Ob wir uns fortstehlen

rechtzeitig auf ein weißes Bett

oder zugrunde gehen am hundertfachen Atomblitz,

ob wir es fertigbringen,

mit der Hoffnung zu sterben,

steht noch dahin,

steht alles noch dahin.

 

Marie Luise Kaschmitz
 
Wichtig ist E-mail

Wichtig ist

dass ich ein Mensch werde,

der fähig ist zu lieben

und sich für andere hingibt,

dass ich frei werde und selbständig,

dass ich nicht nachmache, was andere mir vormachen,

sondern ein Gewissen entwickele und ein Maß finde,

mit dem mein Gewissen misst,

dass ich kein Sklave meiner Angst werde,

sondern Vertrauen fasse und meines Weges gewiß werde,

dass ich nachdenken und staunen kann,

wo andere gedankenlos über ihre Erfahrungen hinweggehen,

dass ich Leid und Schmerzen,

um die kein Mensch in diesem Leben herumkommt, bestehe

und mich vor der Wirklichkeit nicht davon flüchten muß.

Dass ich zuletzt – so merkwürdig das klingen mag – in Frieden sterben kann.


Jörg Zink

 
An die Nachgeborenen E-mail
 

Ihr, die ihr auftauchen werdet aus der Flut

In der wir untergegangen sind

Gedenkt

Wenn ihr von unsern Schwächen sprecht

Auch der finsteren Zeit

Der ihr entronnen seid.

 

Gingen wir doch, öfter als die Schuhe die Länder wechselnd

Durch die Kriege der Klassen, verzweifelt

Wenn da nur Unrecht war und keine Empörung.

 

Dabei wissen wir ja:

Auch der Haß gegen die Niedrigkeit

Verzerrt die Züge.

Auch der Zorn über das Unrecht

Macht die Stimme heiser. Ach, wir

Die wir den Boden bereiten wollten für Freundlichkeit

Konnten selber nicht freundlich sein.

 

Ihr aber, wenn es soweit sein wird

Dass der Mensch dem Menschen ein Helfer ist

Gedenkt unsrer

Mit Nachsicht.


Berthold Brecht