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internationaler Holocaustgedenktag |
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Bis auf das Stöhnen herrschte ringsum tiefe Stille. Darußen
riefen die SS-Männer Befehle. Dann schritt ein Offizier die Betten ab.
Mein Vater flehte: "Mein Sohn, Wasser... Ich verbrenne... Mein Bauch..." "Ruhe, dort!" brüllte ein Offizier. "Elieser", rief mein Vater in einem fort, "Wasser" Der
Offizier trat heran und schrie, er solle den Mund halten. Aber mein
Vater hörte ihn nicht und rief in einem fort. Der Offizier schlug ihn
mit seinem Knüppel auf den Kopf. Ich rührte mich nicht. Ich
fürchtete, mein Körper fürchtete, auch einen Schlag zu bekommen. Nun
röchelte mein Vater, und ich hörte meinen Namen: "Elieser" Ich sah ihn noch stoßweise atmen und rührte mich nicht. Als
ich nach dem Appell von meiner Pritsche stieg, konnte ich noch seine
zitternden Lippen murmeln sehen. Über ihn gebeugt, betrachtete ich ihn
ein gute Stunde lang, um sein blutüberströmtes Gesicht, seinen
zerschmetterten Schädel im Gedächtnis zu bewahren. Dann war Nachtruhe, und ich kletterte auf meine Pritsche über meinen Vater, der noch immer lebte. Es war der 28. Januar 1945. Am
29. Januar erwachte ich im Morgengrauen. An Stelle meines Vaters lag
ein anderer Kranker auf der Pritsche unter mir. Vermutlich hatte man
ihn vor Tagesanbruch in die Gaskammer gebracht. Vielleicht atmete er noch... Elie Wiesel |
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Selig |
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Selig der Mensch,
der den Parolen der Partei nicht folgt
und an ihren Versammlungen nicht teilnimmt,
der nicht mit Gangstern an einem Tisch sitzt
noch mit Generälen im Kriegsgericht.
Selig der Mensch,
der seinem Bruder nicht nachspioniert
und seinen Schulkameraden nicht denunziert.
Selig der Mensch,
der nicht liest, was die Börse berichtet
und nicht zuhört, was der Werbefunk sagt,
der ihren Schlagworten mißtraut.
Er wird sein ein Baum
gepflanzt an einer Quelle.
Ernesto Cardenal,nach Psalm 1 |
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Als die |
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Als die Nazis die Kommunisten
holten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Sozialdemokraten
einsperrten,
habe ich geschwiegen;
ich war ja kein Sozialdemokrat.
Als sie die Katholiken holten,
habe ich nicht protestiert;
ich war ja kein Katholik.
Als sie mich holten,
gab es keinen mehr,
der protestieren konnte.
Martin Niemöller,
ehem. Kirchenpräsident |
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Steht noch dahin |
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Ob wir davonkommen,
ohne gefoltert zu
werden,
ob wir eines
natürlichen Todes sterben,
ob wir nicht wieder
hungern,
die Abfalleimer nach
Kartoffelschalen durchsuchen,
ob wir getrieben werden
in Rudeln,
wir haben’s gesehen.
Ob wir nicht noch die
Zellenklopfsprache lernen,
den nächsten belauern,
vom Nächsten belauert
werden
und beim Wort Freiheit
weinen müssen.
Ob wir uns fortstehlen
rechtzeitig auf ein
weißes Bett
oder zugrunde gehen am
hundertfachen Atomblitz,
ob wir es
fertigbringen,
mit der Hoffnung zu
sterben,
steht noch dahin,
steht alles noch dahin.
Marie Luise Kaschmitz
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Wichtig ist |
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Wichtig ist dass ich ein Mensch werde, der fähig ist zu lieben und sich für andere hingibt, dass ich frei werde und selbständig, dass ich nicht nachmache, was andere mir vormachen, sondern ein Gewissen entwickele und ein Maß finde, mit dem mein Gewissen misst, dass ich kein Sklave meiner Angst werde, sondern Vertrauen fasse und meines Weges gewiß werde, dass ich nachdenken und staunen kann, wo andere gedankenlos über ihre Erfahrungen hinweggehen, dass ich Leid und Schmerzen, um die kein Mensch in diesem Leben herumkommt, bestehe und mich vor der Wirklichkeit nicht davon flüchten muß. Dass ich zuletzt – so merkwürdig das klingen mag – in Frieden sterben kann. Jörg Zink |
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An die Nachgeborenen |
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Ihr, die ihr auftauchen
werdet aus der Flut
In der wir
untergegangen sind
Gedenkt
Wenn ihr von unsern
Schwächen sprecht
Auch der finsteren Zeit
Der ihr entronnen seid.
Gingen wir doch, öfter
als die Schuhe die Länder wechselnd
Durch die Kriege der
Klassen, verzweifelt
Wenn da nur Unrecht war
und keine Empörung.
Dabei wissen wir ja:
Auch der Haß gegen die
Niedrigkeit
Verzerrt die Züge.
Auch der Zorn über das
Unrecht
Macht die Stimme
heiser. Ach, wir
Die wir den Boden
bereiten wollten für Freundlichkeit
Konnten selber nicht
freundlich sein.
Ihr aber, wenn es
soweit sein wird
Dass der Mensch dem
Menschen ein Helfer ist
Gedenkt unsrer
Mit Nachsicht.
Berthold Brecht
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