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Das Fest der Völker und die WM PDF Print E-mail

WM: Nazis drohen mit »Massaker« 

Im Brennpunkt: Das Spiel Angola-Iran
 
Von Carsten Hübner
 
Portugiesische Neonazis wollen die Fußball-WM stören. Der Chef der militanten »Frente Nacio-nal«, Mario Machado, sagte der Wochenzeitung »Expresso«, anlässlich des Spiels Angola-Portugal am 11. Juni in Köln seien Aktionen geplant: »Es wird Probleme mit den Fans geben.« Portugal schickt eigene Sicherheitsbeamte zur WM, um Ausschreitungen vorzubeugen.


Vor allem afrikanische Mannschaften und ihre Anhänger nehmen die Rechtsradikalen ins Visier. Machado war 1997 zu mehr als vier Jahren Haft verurteilt worden, weil er zwei Jahre zuvor in Lissabon mit Skinheads Jagd auf Immigranten gemacht hatte. Dabei wurden mehrere Menschen verletzt, der aus Cap Verde stammende Portugiese Alcindo Monteiro Fortes Monteivo wurde getötet.
Nach Informationen der italienischen Zeitung »La Repubblica« haben sich Neonazis aus ganz Europa bereits im März in Österreich getroffen, um Aktivitäten während der WM zu verabreden. »Zum ersten Mal sprechen und planen wir gemeinsam«, zitiert die Zeitung einen der rund 70 Teilnehmer. »Wir haben erstmals alle ein Ziel: Bei der Weltmeisterschaft wird es ein Massaker geben.«
Für Machado und seine Anhänger wird das »Fest der Völker« am 10. Juni in Jena eine Anlaufstelle in Deutschland sein. Hier steht der Portugiese, neben NPD-Chef Udo Voigt, bereits seit Monaten als Redner fest. Veranstalter ist die NPD. Derzeit wird damit gerechnet, dass bis zu 1000 Neonazis aus ganz Europa teilnehmen.
Wo genau die Rechtsradikalen zuschlagen, ist unklar – nicht zuletzt aufgrund scharfer Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien und ihrer Umgebung. Experten rechnen deshalb eher mit Übergriffen abseits der Spielorte. Allerdings mobilisieren die Rechten auch direkt zu den Spielen. Dabei steht die Partie zwischen den »Palancas Negras«, der schwarzen Antilopen, wie die angolanische Mannschaft von ihren Anhängern genannt wird, und Iran am 21. Juni in Leipzig im Zentrum. Der sächsische NPD-Fraktionschef Holger Apfel kündigte bereits Aktionen an. Man wolle »angesichts der täglichen Hetze gegen Teheran« die Mannschaft Irans im Freistaat begrüßen, so Apfel. Irans Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad avancierte in den vergangenen Monaten zum Shootingstar in der internationalen Nazi-Szene, nachdem er mehrfach den Holocaust geleugnet und Israel das Existenzrecht abgesprochen hatte. Ob er das Spiel besuchen wird, ist derzeit noch unklar.

Neues Deutschland, 5. Mai 2006